Vergangenheit


Kapitel 0 – Es gab eine Zeit

Es fiel mir unsagbar leicht, den Namen zu finden, welchen diese Unternehmung tragen sollte, war es doch das Resultat fortwährender Entwicklung unter einem Lehrmeister, wie es ihn in einem Leben nur einmal geben konnte:

Sie haben bedeutsame Namen wie Dean, Kerouac, Heisenberg oder gar Karajan; Allesamt Legenden. Und doch fehlte Ihnen allen etwas Unverzichtbares, um der eigenen Entwicklung eine bedeutsame Wirkung beizugeben. Diese Legenden haben für die Erfüllung einer solchen Lehraufgabe nicht die nötigen Voraussetzungen, denn zumeist existieren sie nur in verschönten Erzählungen. Es mangelt ihnen an Nachhaltigkeit. Es sind die Eigenschaften wie Authentizität, Beständigkeit, Bodenständigkeit oder einfach Greifbarkeit, die sie in Ihren Rollen nicht hervorbrachten, nicht lehren konnten. Sie konnten niemals einen direkten Bezug zu einem Selbst aufbauen, denn sie waren nicht dort, gaben keine Antworten und erst recht hinterfragten sie nicht das eigene Handeln. Insofern gibt es nur jenen, welcher diesen Anforderungen gerecht wird: Lehrmeister und Vater wider die Natur, Arno Hohner.

Es waren aber nicht die durch seine Tischlerlehre erworbenen handwerklichen Fertigkeiten, die visionären Konstruktionen als Architekt und auch nicht die über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen aus eigenen Produktentwicklungen, Produktion und Handel, welche mich inspirierten. Auch nicht die unzähligen Erzählungen aus den Begebenheiten der eigenen Jugend als Fußballer oder die Vielzahl an Diskursen zu strukturiertem Arbeiten, die Sinnhaftigkeit von handschriftlichen Notizen und Plänen oder Steigerungen der Effizienz durch Neuerungen und Automation in Verwaltungsaufgaben.

Vielmehr waren es die konservative Weltanschauung, gezeichnet durch mangelnden Reformwillen, weiter noch die grundsätzliche Skepsis gegenüber Umwälzungen, jedoch auch – und das ist weitaus ausschlaggebender – ein tief verankertes Verantwortungsbewusstsein. Jenes zeichnete sich durch hingebende Bemühungen aus, seit jeher auf die gesundheitliche, persönliche und berufliche Entwicklung möglichst positiven Einfluss zu nehmen, Wege zu bereiten wenngleich sie auch nicht immer gegangen wurden und doch die Bemühungen beharrlich aufrecht zu erhalten und jedweder Entwicklung konstruktiv zu begegnen.

Unzählige gemeinsame Arbeitsstunden, Dialoge und Diskussionen erlaubten mir einen weiteren, einen objektiveren Blick auf Situationen zu werfen, Einschätzungen und Empfehlungen auf ihre Konstruktivität hin zu überprüfen und verantwortungsbewusste und nachhaltige Entscheidungen basierend auf diesen Ergebnissen zu treffen. Diese Wertevorstellungen wirken seit Jahrzehnten auf das philosophische Bewusstsein ein und artikulieren sich nunmehr durch unermessliche Dankbarkeit und der eigenen Liebe zur Ästhetik längst vergessener Tage: Ich bin ein Produkt dessen, meiner Umgebung – ein Hohner Fabrikat – und so spiegelt eben dieses Unternehmen jene Sehnsucht nach Werten wie Bedachtheit und Verantwortungsbewusstsein wider.