Vergangenheit


Kapitel 2 – Das Erwachen

Erstmalig begegnete ich Artur im Spätsommer, nach einem Studententreffen, mit einer Freundin den Heimweg antretend. Wir waren nicht rechtzeitig weggekommen, sodass wir in die Betriebspause der öffentlichen Berliner Verkehrsmittel gerieten und schier ungezählte Ewigkeiten auf die Heimkehr zu warten schienen – bis ein Geländewagen an eben dieser Haltestelle hielt und der Fahrer das Angebot machte, uns ein Stück in Richtung Zoologischer Garten mitzunehmen. Nach kurzem Zögern und den Hintergedanken hinterfragend, nahmen wir dieses jedoch an, da sich die Ziele tatsächlich überschnitten.

Durch seine überschwängliche Energie hatte Artur etwas motivierendes, denn man hatte das Gefühl, bereits in einem kurzen Dialog einen Teil dieser Energie in sich aufzunehmen. Das unweigerlich entstandene Gespräch mündete in den Tätigkeitsbereichen eines jeden, in welchem auch meine bisherigen Entwicklungen mit den Antiquitäten Erwähnung fanden. Im gegenseitigen Interesse, so trennten wir uns letztendlich, sollte man sich noch einmal unter konstruktiveren Begebenheiten treffen und vermeintlich wertvolle Kontakte knüpfen.

Im Zuge dessen trafen wir uns dann bei einem der sogenannten Gründertreffen, welches rückblickend unstrukturiert und ineffizient war, sodass wir schließlich das Konzept in kleinerem Maßstab mit Gleichgesinnten deutlich konstruktiver gestalten wollten. So kam es dann auch, dass sich die ersten Male zu diesen regelmäßigen Treffen eine kleine Gruppe bildete, welche sich über eigene Ideen und Projekte, Lösungsansätze bei Problematiken und kritisch über mentale Barrieren ausgetauscht wurde.

Bis zum späten Herbst wechselten von Zeit zu Zeit doch einige Teilnehmer und so gesellte sich eines Tages Karolina dazu. Wir waren an jenem Tag die ersten beiden unserer Runde und kamen sehr schnell ins Gespräch, da Artur es im Vorfeld nicht versäumt hatte, von meiner Neugier bezüglich technischer Herausforderungen zu erzählen. Einerseits interessiert an der technischen Problematik, anderseits ihre Leidenschaft für das eigene Projekt nachempfindend, machte ich erste technische Skizzen in meinem Notizheft; ich habe lange keine solche Leidenschaft für eine Vision gesehen. Der Rest des Abends verlief ähnlich wie die vorigen Male auch.

Die nächsten Treffen sollten vieles verändern, insbesondere dadurch, dass die Aufmerksamkeit der stetigen vier Teilnehmer immer mehr dem Unternehmen Hohner Fabrikat galt. So machte Karolina einen der prägnantesten Schritte dieses Unternehmens möglich und verschaffte mir bei einem Besuch in ihrer Heimat einen Termin in Bad Honnef. Auf diese kurzweilige Reise wollten sie mich begleiten, auch um die persönlichen Kräfte des Fahrers zu schonen, und so gewannen wir letztlich einen vielversprechenden Vertriebspartner hinzu. Inspiriert von Karolina‘s und Artur’s Euphorie wuchsen insbesondere meine Bestrebungen, die Blütezeit des Unternehmens nunmehr anzukündigen; noch auf der Rückfahrt beschlossen wir diese Reise künftig gemeinsam zu beschreiten.

In den Folgemonaten entwickelten sich aus meinen Notizen und Skizzen formvollendete Ideen, welche es zeitnah bis in das kleinste Detail umzusetzen galt, da wir einen Folgetermin zu einer Veranstaltung bekommen hatten. Somit sollten sich entsprechend die Wochen und Monate der Entwicklungszeit rastlos gestalten, zumal das geistige Konzept bereits dem Veranstalter präsentiert wurde und gehalten werden wollte. Eine gewisse Routine stellte sich ein und der Tag begann mit den üblichen Visiten der bereits existenten, sowie der Suche nach neuen Zulieferern. Auch die Lösung technischer Problematiken, die strukturelle Unternehmensentwicklung und – nicht zu guter Letzt – die Materialbeschaffung sollten sich neben der eigentlichen Fertigstellung in diese Routine eingliedern, während die Zeit unter den Händen zu zerrinnen schien.

Die Veranstaltung nahte und bis zum Sommer entstanden, trotz diverser Komplikationen, die angekündigten Prototypen. Leicht angespannt traten wir diese Reise an, um das Unternehmen und seine Philosophie erstmals gemeinsam zu präsentieren. Ein nie erwähnter Stolz durchfuhr mich, denn nicht nur die Produkte bekamen wohltuende Bestätigung, sondern ebenso der eingeschlagene Pfad. Die Rückreise erfolgte zum Teil getrennt, da Karolina etwas länger vor Ort blieb, doch ein gemeinsamer Geist entwickelte sich zusehends und wurde an diesem Abend schlussendlich in seiner Ganzheit vollkommen.